Broziat: „Jens Voigt, Sie sind in Grevesmühlen geboren, aufgewachsen in Dassow und ein deutscher Radprofi, der zur Weltspitze gehört. Inwieweit war es für Sie förderlich, hier in Nordwestmecklenburg geboren und aufgewachsen zu sein?“
Voigt: „Es sind zuerst die Menschen! Hier hatten wir die drei Eichberg-Brüder, die den Radsportverein damals gemacht haben. Die einem als Kind die ersten wichtigen Schritte beigebracht haben. Wir waren kein großer und reicher Verein. So wurde viel mit Leidenschaft und Herzblut gemacht. Ansonsten
ist das hier das ideale Trainingsgelände: Du hast jede Menge Wind, Du kannst flach am Wasser fahren oder Dir im Hügelland „schön die Kante geben“.
„Es sind zuerst die Menschen!“
Broziat: „Heute leben Sie mit Ihrer Familie in Berlin, Sie haben einen engen Terminkalender, der von Training und internationalen Rennen bestimmt ist. Trotzdem nehmen Sie sich immer Zeit, Nordwestmecklenburg, Ihre
alte Heimat, zu besuchen. Warum?“
Voigt: „Man ist was man ist! Man ist dort verwurzelt, wo man groß geworden ist. Und auch im Training ist es wunderschön hier, Du fährst durch die Rapsfelder, kannst aufs Meer schauen. Es ist einfach mit der Kernaussage:
Man tankt hier Kraft für die Seele! Hier ist das mentale Trainingslager.“
„mit Leidenschaft und Herzblut“
Broziat: „Wie würden Sie den Nachwuchs beurteilen? Welche Chancen hat er hier?“
Voigt: „Die jüngeren Jahrgänge sind wieder sehr gut. Wir produzieren ja hier die Landesmeister fast in Serie, also die Meister für MV, nicht nur den Kreis hier!
Broziat: „Mit Jens Voigt verbindet man Tour de France, Mittelmeer- & Kalifornien-Rundfahrt usw. Sie kommen viel rum in der Welt. Was ist das Besondere an ihrer Heimat Nordwestmecklenburg?
„Man tankt hier Kraft für die Seele!“
Voigt: „Hier hat alles seinen eigenen Stil. Hier passiert nichts hektisch und kurzlebig, sondern überlegt, kraftvoll und kontinuierlich. Ich beobachte mit Freude bei jedem meiner Besuche, wie sich der Landkreis und die Wirtschaft
entwickeln. So hat sich ODS in Dassow zu einem der größten CD-Werke entwickelt, in Lüdersdorf arbeitet mit Kamps die wohl größte Brotfabrik Europas, in Schönberg hat mit Lindal ein Weltmarktführer für Sprühköpfe die Produktion aufgenommen. Ich denke, Nordwestmecklenburg ist ein Standort, für den man sich entscheidet, wenn man nicht nur das schnelle Geld machen, sondern über Jahrzehnte erfolgreich sein will.“
„Hier passiert nichts hektisch und kurzlebig, sondern überlegt, kraftvoll und
kontinuierlich.“
Broziat: „Sie meinen in Nordwestmecklenburg starten, um dann in der ganzen Welt erfolgreich zu sein? Da hätten die Unternehmen dann etwas mit Ihnen gemeinsam!“
Voigt: „Ja genau!“


